HAND AUFS HIRN

DER PODCAST VON APOLLON – DEM DOSSIER DER BAYERISCHEN STAATSOPER

»Hand aufs Hirn« lädt prominente Opinion Leader ein, über ein Thema öffentlich nachzudenken. Dem Menschen an sich sowie dem Thema wird in jährlich insgesamt rund zehn Folgen Raum gegeben. Das geschieht über den Gesprächsgast, der oder die zum jeweiligen Thema viel gesehen und im öffentlichen Diskurs verarbeitet hat. Was wurde zum Thema erlebt? Diese scheinbar individuellen Erlebnisse werden anschließend in unseren gesellschaftlichen Koordinaten verortet: Was hat das mit uns zu tun? Zuletzt wird der Blick auf die Zukunft geworfen: Wie kann jede:r Einzelne:r von uns etwas tun, damit sich schon heute etwas ändert? »Hand aufs Hirn« lädt Menschen ein, sich Themen des Menschseins zu nähern. Der Host ist  Christopher Warmuth, Dramaturg an der Bayerischen Staatsoper. Um dieser Form der Oper zuzuhören, muss man kein Opernnerd sein, sondern nur getrieben, die Welt immer neu kennenlernen zu wollen.

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#4 mit Margot Käßmann

Hand aufs Hirn Margot, wer braucht eigentlich noch Erlösung und Erlöser:innen?

In der vierten Folge »Hand aufs Hirn« erzählt Margot Käßmann über Erlöser:innen und Erlösung. Was ist eigentlich Erlösung? Warum überfrachten wir Idole und Erlösungsfiguren mit Erwartungen und Hoffnungen? Wie erging es Ihr selbst als Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers? Und dann noch als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland? Wie hat sich das öffentliche Bild nach Ihrem Rücktritt verändert? Und warum gibt es so viele patriarchale Erlöserfiguren in unserer Welt?

Margot Käßmann war die zentrale Hoffnungsfigur der evangelischen Kirche. Nach ihrer Tätigkeit als Pfarrerin und später Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages war die vierfache Mutter von 1999 bis 2010 Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Mit der Wahl hatte eigentlich niemand gerechnet, aber eine Frau sollte auf die Liste, um zu suggerieren, dass eine weibliche Amtsträgerin möglich sei. Parallel zum unerwarteten Bischofsamt dann noch mehr: 2002 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Hannover. Und: 2009/2010 war sie Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Damit war sie die öffentliche Stimme der evangelischen Kirche. Nach ihrem Rücktritt vom Amt 2010 in Folge einer alkoholisierten Autofahrt, zog sie sich keinesfalls mit ihrem Einsatz zurück. Es folgten zahlreiche Bücher, eine Gastprofessur in Bochum und der Botschafterinnenposten des Rates der Evangelischen Kirche. Seit 2018 ist sie im Unruhestand, denkt, schreibt und arbeitet viel im Einsatz für eine bessere Gesellschaft.

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#3 mit Lilo Wanders 

Hand aufs Hirn Lilo, was ist eigentlich Verlangen und Begierde?

In der dritten Folge »Hand aufs Hirn« erzählt Lilo Wanders über ihre Erfahrungen als Sexpertin. Was ist Verlangen? Wie hat sie ihr eigenes Verlangen entdeckt? Warum ist es befreiend, sich mit seinem eigenen Verlangen auseinanderzusetzen und wieso wäre die Welt besser, würden wir alle Sexualität weniger tabuisieren?

Lilo Wanders ist eine Kult-Diva, eine popkulturelle moralische Instanz. Wanders ist die Sex-Aufklärerin der Nation, eine Sexpertin. Von 1994 bis 2004 moderierte sie Wa(h)re Liebe beim Fernsehsender VOX. Immer donnerstags um 23.00 Uhr wurde es plüschig, skurril, pornografisch, aber auch ernsthaft. Alles sehr ungewöhnlich für das damalige Fernsehen: Es gab Reportagen aus Swinger-Clubs, Erotikmessen oder vom Set eines Pornodrehs, Interviews zu Cyber-Sex, erotische Tantramassagen wurden gefilmt oder ein Exhibitionist begleitet. Das alles war revolutionär in der Fernsehgeschichte, die Einschaltquoten waren bezeichnend hoch. Und das alles weit vor Trendbegriffen wie Sexpositivity. Das Fernsehformat brachte in den 90gern und 00ern Millionen deutscher Fernsehzuschauer:innen ungefilterte Wahrheiten über Liebe, Sex und die Pornoindustrie näher. Lilo Wanders traf einen Nerv. Hinter der Moderatorin und Kunstfigur Lilo Wanders steckt ein Hamburger Schauspieler. Er ist schwul, mit einer Frau verheiratet und hat drei Kinder. Lilo Wanders klärt uns auf – über die Themen, die manchmal sogar im Schlafzimmer totgeschwiegen werden. Dabei treibt es jeden Menschen um.

 

 

#2 mit Stefan Aust

Hand aufs Hirn Stefan, wieso radikalisieren sich Menschen?

In der zweiten Folge »Hand aufs Hirn« erzählt Stefan Aust über seine Beobachtungen zur Radikalisierung. Warum hat sich die Linksterroristin Ulrike Meinhof radikalisiert? Wie konnte die RAF entstehen? Was ist da eigentlich passiert? Und wie unterscheidet sich das von der Geschichte des jüngsten Rechtsterrorismus des NSU?

Stefan Aust ist ein mächtiger deutscher Journalist. Er ist ein Zeitzeuge der jüngeren deutschen Geschichte. Er ist Journalist und Autor. Von 1994 bis 2008 war er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«. Seit 2014 ist er, bis heute, Herausgeber der Tageszeitung »Die Welt«. Bis 2016 war er dort zudem Chefredakteur. 1966 wurde er Redakteur der linksgerichteten Zeitung »konkret«. Dort arbeitete auch Ulrike Meinhof als Kolumnistin, ehe sie 1970 in den Untergrund ging. Sie gründete dann die linksterroristische Rote-Armee-Fraktion mit, kurz RAF. Die RAF ermordete 34 Menschen. Aust kannte die beteiligten Terrorist:innen gut. Sein Buch über die RAF »Der Baader-Meinhof-Komplex« sorgte für internationales Aufsehen. Der darauf basierende Spielfilm wurde unter anderem für den Golden Globe und den Oscar nominiert. Auch in der jüngsten Geschichte deutscher Terrorgruppen ist Stefan Aust nah dran. Das Buch »Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU« wurde als dreiteiliger Dokumentarfilm über die rechtsterroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund verfilmt, unter dem Titel »Der NSU Komplex«. Der NSU ermordete von 2000 bis 2007 neun Menschen mit Migrationsgeschichte und eine Polizistin. Stefan Aust erhielt für seine journalistischen Arbeiten unter anderem den Adolf-Grimme Preis, das Verdienstkreuz 1. Klasse und die Goldene Kamera. Stefan Aust ist ein bedeutender Beobachter unserer Gegenwart und jüngeren Geschichte.

 

 

#1 mit Carolin Emcke

Hand aufs Hirn Carolin, wie hältst du es mit der Normalität?

In der ersten Folge »Hand aufs Hirn« denkt Carolin Emcke über das Normalsein und das Anderssein nach. Was heißt es, anders zu sein? Wann kam sie sich anders vor? Welche Mechanismen gehen mit dem Anderssein einher? Kurzum: Wie gehen Deutsche mit dem Anderen um und vor allem, wie können wir als gesellschaftliches Kollektiv besser damit umgehen?

Carolin Emcke ist eine der wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit. Ihre Bücher sorgen für internationales Aufsehen, »Von den Kriegen« erzählt von ihren persönlichen Erlebnissen in Kriegsschauplätzen der Welt. Sie war acht Jahre bei Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«, als Berichterstatterin aus internationalen Krisengebieten — unter anderem Afghanistan, Pakistan, dem Kosovo und Irak. Anschließend war sie sieben Jahre als internationale Reporterin für die Wochenzeitung »DIE ZEIT« tätig. In ihrem Buch »Wie wir begehren« erzählt sie, wie sie entdeckte und erspürte, dass sie homosexuell ist. In ihrem Buch »Gegen den Hass« beleuchtet sie, wie Hass entsteht, welche Funktion Hass hat und wie wir nicht hassen und uns Hass entgegenstellen. Carolin Emcke hat 2016 einen der wichtigsten Preise erhalten, mit denen man in Deutschland ausgezeichnet werden kann: Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie studierte Philosophie in London, in Frankfurt am Main bei Jürgen Habermas und in Harvard, wo sie auch promovierte. Unter dem Titel: »Kollektive Identitäten«.